Befürworter schicken ihre Kinder zum Gymnasium!
VBE-Landesvorsitzende Gitta Franke-Zöllmer zum neuen Hauptschulerlass:
„Befürworter schicken i h r e Kinder zum Gymnasium!“
- Ministerialelite führt Hauptschüler ins „Zwangskorsett der alten Volksschule“ zurück -
„Diejenigen, die sich so vehement für den Erhalt und die ständigen Reformen der Hauptschule einsetzen, schicken ihre eigenen Kinder lieber zum Gymnasium oder auf eine Privatschule!“ Damit wies die Landesvorsitzende des VBE, Gitta Franke-Zöllmer, nach Abgabe der schriftlichen Anhörung zu den Erlassentwürfen „Die Arbeit in der Hauptschule“ und „Die Arbeit in der Realschule“ in Hannover noch einmal auf die mangelnde Akzeptanz und die sinkenden Schülerzahlen der Hauptschule, sowie auf die vorgesehene weitere Abkopplung der Realschule von der „gymnasialen Oberstufe“ hin. Der VBE erwartet, dass zu diesen wesentlichen Änderungen des niedersächsischen Grundkonsenses über ein „Schulsystem der Chancengerechtigkeit“ (das von der jetzigen Landesregierung aufgegeben wird), das Plenum des Landtags berät.
„Der anachronistische Versuch, die Schulform Hauptschule zu erhalten, ist ein Entgegenkommen an die Elternschaft innerhalb des schwarz-gelben Spektrums, die ihre Kinder von denen der „bildungsfernen“ Schichten abgegrenzt sehen möchten. Die Hauptschule ist in der Tat zum Sammelbecken von „Problemschülern“, von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und „abgeschulten“ Realschülern und Gymnasiasten geworden,“ analysierte Franke-Zöllmer. Der Begriff „weiterführende“ Schule ende trotz des Engagements der Kolleginnen und Kollegen und der betroffenen Schülerinnen und Schüler oft in Warteschleifen der berufsbildenden Schule oder spätestens vor den Türen der Agentur für Arbeit.
Das Ziel, eine grundlegende Allgemeinbildung zu vermitteln und zur Berufswahlreife zu führen, werde systematisch zugunsten von sogenannten Praxistagen zusätzlich zu den Betriebspraktika und von Berufsschwerpunktsetzungen , die in naher Zukunft möglicherweise nicht mehr relevant seien, verwässert; musische und künstlerische, sowie gesellschaftsorientierte Anteile zugunsten einer guten Verwertbarkeit, als „Leichtlohngruppen“ in einigen Bereichen der Wirtschaft, zurückgefahren. Eine frühe Festlegung auf eine Berufsausrichtung nach Klasse 8 würde die „Durchlässigkeit“ des Schulsystems und Aufstiegsmöglichkeiten in andere Schulformen geradezu ad absurdum führen. Schüler und Eltern hätten diese Entwicklung erkannt und bevorzugten zunehmend das Gymnasium und – soweit regional vorhanden – ein attraktives Gesamtschulangebot.
Die Landesvorsitzende abschließend: „Wir hätten uns im Sinne der Hauptschülerinnen und -schüler gewünscht, die strukturelle, personelle und sachliche Situation nachhaltig zu verbessern und die Hauptschule verbunden bzw. integriert mit der Realschule als „Neue Niedersächsische Oberschule“ (in der Regel als pädagogisch-konzipierte Ganztagsschule) umzuwandeln, die vielfältige Anschlussberechtigungen offen hält. Ein verbindliches 10. Schuljahr wäre für alle ebenso zu ermöglichen wie Fachunterricht von gut ausgebildeten Lehrkräften, die in ausreichender Zahl unter vergleichbaren Arbeitsbedingungen wie am Gymnasium und an den Gesamtschulen motiviert ihrem Auftrag gerecht werden können.“
Anlagen: VBE-Stellungnahmen „Die Arbeit in der HS“ und „Die Arbeit in der RS“. Diese sind auf der VBE-Homepage www.vbe-nds.de im Pressedienst unter "VBE-Presse 1/2010 vom 03.03.2010 einzusehen.
www.vbe-nds.de 
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