VBE zum Muñoz-Besuch: Außenansichten tun gut
Berlin - „Ich sehe im Deutschland-Besuch des UN-Sonderberichterstatters Prof. Dr. Vernor Muñoz Villalobos einen weiteren Schritt hin zur Normalität globalen Informationsaustauschs, nachdem die Teilnahme der Bundes- republik an den internationalen Vergleichsstudien TIMSS, PISA und IGLU bereits Alltag ist“, stellt der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Dr. Ludwig Eckinger fest. „Solche Außenansichten können nur gut tun, uns noch intensiver mit den Reformvorhaben seit PISA auseinander zu setzen.“ Deutschland habe sich schon in der zweiten Hälfte der 90er Jahre eindeutig zur Notwendigkeit internationaler Evaluation im Bildungsbereich bekannt.
Der VBE-Bundesvorsitzende wird am kommenden Montagabend mit dem UN-Sonderberichterstatter sprechen.
„Die ungeschminkte Auseinandersetzung mit den Schwachstellen im Bereich Bildung und Erziehung hat dazu geführt, sich von Selbstzufriedenheit zu lösen, die Erfahrungen der Nachbarstaaten interessierter wahrzunehmen und Bildungsreformen zumindest anzuschieben“, so Dr. Ludwig Eckinger. „Ich halte es für ganz wesentlich, dass in Deutschland der direkte Zusammenhang von Bildungserfolg und sozialer Herkunft als Hauptproblem diagnostiziert worden ist und zumindest Konsens darin besteht, diese Chancenungerechtigkeit abzuschwächen.“ Der VBE plädiere deshalb für eine Aufwertung von Kindergarten und Grundschule.
„Die Voraussetzungen für gelingende Bildungskarrieren aller Kinder werden vor allem im Kindergarten und in der Grundschule gelegt“, betont der Bundes- vorsitzende der Lehrergewerkschaft VBE. Das erfordere eine Umverteilung der Bildungsinvestitionen, damit Deutschland mindestens den OECD-Durchschnitt von 20 Prozent des BIP pro Schüler erreiche. Als „besonders problematisch“ bezeichnet Dr. Ludwig Eckinger die Einschränkung des Bildungsauftrags des Kindergartens durch zu hohe Elterngebühren. Fast jedes vierte Kind zwischen drei und sieben Jahren aus Migrantenfamilien gehe nicht in den Kindergarten. „Es besteht die Gefahr, dass Kinder aus schwierigen sozialen Milieus damit schon ganz am Anfang ihres Bildungsweges abgekoppelt werden.“
Kritik übt der VBE-Bundesvorsitzende auch an der mangelnden Durchlässigkeit des Bildungssystems von unten nach oben. „Der VBE setzt hier auf ein neues Bewusstsein des Förderns neben dem Fordern“, sagt Dr. Eckinger. „Das Leistungsniveau muss in der Breite angehoben werden. Deutschland braucht deshalb ein Bildungssystem, bei dem alle Schülerinnen und Schüler eines jeden Jahrgangs auf ein höheres Bildungsniveau als bisher gebracht werden. Das Ziel muss also heißen: hochwertige Förderung in der Breite auf allen Stufen des Bildungssystems!“ ◆
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