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Wenn Schüler das Tricksen von Eltern lernen

 

Ferien werden mit vorgeschobener Krankheit verlängert

 

Stuttgart.

Die Schule zu schwänzen ist für manchen Schüler heute nichts Ungewöhnli-ches. Experten gehen von rund fünf bis zehn Prozent aus. Erschreckend sei jedoch das mangelnde Unrechtsbewusstsein der Ertappten, bemängelt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg. Häufig werde von den Eltern der Schwänzer der Nährboden für dieses letztendlich den Schüler selbst schädigende Fehlverhalten gelegt: durch Schwindeleien.

 

Bisweilen zeigen Eltern durch ihr schlechtes Vorbild, dass Schule für sie nicht wichtig ist. Wenn vor oder nach Ferienblöcken der Familienurlaub eigenmächtig verlängert und das Fehlen der Kinder beim Klassenlehrer von den Eltern mit „Krankheit“ entschuldigt wird, lernen die Schüler von ihren Erziehungsberechtigten, dass man mit Lug und Trug seinen Kopf durchsetzen kann. „Wenn die Kinder später dieses Tricksen dann auch für sich in Anspruch nehmen, sind die Eltern plötzlich hellauf entsetzt“, weiß der VBE-Sprecher. Wenn Eltern dann damit konfrontiert werden, dass ihr Kind die Schule schwänzt, fallen sie häufig aus allen Wolken und fragen sich, warum ausgerechnet ihr Kind gegen Recht und Ordnung verstoße.

 

Schulschwänzen kann Schülern von deren Erziehungsberechtigten auch regel-recht antrainiert werden. Eltern, die ihr Kind bei kleinsten Befindlichkeitsstörungen oder gar nur Unlustgefühlen nicht zum Unterricht schicken und es wegen „Krankheit“ entschuldigen, bereiten dem späteren Schulschwänzen den Nährboden. Mit zunehmendem Alter nehmen sich diese verwöhnten Kinder schon bei den geringsten zu erwartenden Schwierigkeiten ihre Auszeit, um der unangenehmen Situation aus dem Weg zu gehen. Die Hemmschwelle, sich selbst zu beurlauben, sinkt, die Fehlzeiten werden häufiger und länger. Jetzt setze ein Teufelskreis ein, beklagt der VBE-Sprecher. Denn durch die längere Abwesenheit bekämen die Schüler immer weniger vom Unterrichtsstoff mit, schrieben noch schlechtere Noten, und der Schulverdruss werde verstärkt. Schüler, die sich für ihr Verhalten noch schämten, trauten sich ohne pädagogische Unterstützung nicht in die Klasse zurück. Die Folge sei weiteres Schwänzen. Der soziale Abstieg manifestiere sich. Es sei ein offenes Geheimnis, so der VBE-Sprecher, dass viele jugendliche Kriminelle ihre „Karriere“ mit Schuleschwänzen begonnen haben.

 

1. Juni 2010

 

 

 

 

 

www.vbe-bw.de


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