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Bayerns Schulleitungen fühlen sich ausgebremst

 

 

Nach einer Studie des BLLV wollen Schulleiter mehr Verantwortung übernehmen, fühlen sich aber zu wenig unterstützt / Wenzel: „Kultusministerium muss den Dialog suchen“

 

München - Unabhängig davon, ob die aktuellen Sparankündigungen nun bestätigt oder dementiert werden: Die Mehrheit der Schulleiterinnen und Schulleiter kann nicht erkennen, dass die Probleme an den Schulen vom Kultusministerium gut gelöst werden. Dies geht aus den Ergebnissen einer aktuellen Studie des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) hervor. Befragt wurden rund 650 Schulleiterinnen und -leiter von Grund,- Haupt- und Förderschulen. Danach stimmen 96% den vom Kultusministerium eingeleiteten Reformen „nicht zu“ bzw. „eher nicht zu“. Nur knapp die Hälfte (42%) sind der Meinung, dass die Schulbehörden die Alltagsprobleme an den Schulen kennen, dementsprechend fühlen sich nur 40% bei der Leitung der Schule ausreichend von der Schulverwaltung unterstützt - 60 % dagegen nicht. Während 43% die Einzelschule bereits in „erweiterter Verantwortung“ sieht, verneinen 57% diese Frage. Sollten Schulleiterinnen und -leiter Noten für die bayerische Schulpolitik vergeben, würden sie 11% mit „ungenügend“, 53% mit „mangelhaft“ und 30% mit „ausreichend“ bewerten. BLLV- Präsident Klaus Wenzel bezeichnete die Ergebnisse als deutliches Zeichen dafür, dass die Situation für die bayerischen Schulleiterinnen und -leiter höchst unbefriedigend ist. „Die Mehrheit möchte mehr Verantwortung übernehmen - fühlt sich aber ausgebremst und zu wenig unterstützt.“

 

Das Hauptproblem liegt für die Schulleitungen in der extremen Fülle ihrer täglich zu erledigenden Aufgaben, die ständig mehr werden. Das Durchführen von Vergleichsarbeiten, externer Evaluation, die Erstellung von Statistiken und Informationsabfragen beispielsweise kosten viel Zeit, die nicht vorhanden ist. Erschwerend hinzu kommen knappe personelle Ressourcen und mangelnde Planungssicherheit aufgrund ständiger Veränderungen. In der BLLV- Studie gibt die Mehrheit der Befragten außerdem an, zu wenig auf die zu erledigenden Managementaufgaben vorbereitet zu werden. „Grundsätzlich fühlen sich viele Schulleiterinnen und -leiter im Stich gelassen“, betonte Wenzel. Er appellierte an das Kultusministerium, schnell gegenzusteuern und den Dialog zu suchen. „Die Klagen sind berechtigt und dürfen nicht länger ignoriert werden. Sollten jetzt auch noch dringend erforderliche Lehrerplanstellen gekürzt werden, so würde der Unmut unter den Schulleitern erheblich zunehmen.“

 

Bei der im Februar durchgeführten Studie wollte der BLLV auch wissen, welche Voraussetzungen für die Leitung einer „guten Schule“ erforderlich sind. Es ergab sich, dass für alle Befragten eine gut funktionierende Teamarbeit maßgeblich ist: so gaben alle an, dass Schulleitungen eine „kooperative Arbeitskultur durch Teambildung“ schaffen sollten. Sie sollten auch kollegiale Beratung und interne Evaluation initiieren können (91%), Unterrichtsmethoden verbessern (95%), ein Leitbild der Schule entwickeln (79%) sowie mit außerschulischen Partnern und Experten kooperieren können (90%). Die überwiegende Mehrheit hält auch die Intensivierung der Zusammenarbeit und Partizipation von Eltern und Schülern für unerlässlich.

 

Eine große Mehrheit der Schulleitungen ist bereit Aufgaben zu übernehmen, die mit der Gestaltung einer „guten Schule“ verbunden sind: Dazu gehören u. a. die Entwicklung eines Schulprogramms, Verbesserungen des Unterrichts, Gestaltung eines vielfältigen Schullebens oder die Öffnung der Schule. Basis einer „guten Schule“ ist aus Sicht der Schulleiter/innen die Schaffung einer kooperativen Arbeitskultur mit kollegialer Beratung, schulinterner Fortbildungen und fachlicher Aufsicht. Für die effektive Organisation der Schule wünschen sich die Befragten mehrheitlich mehr faktische Entscheidungsrechte - dies gilt auch bezüglich der Auswahl der einzelnen Stellen und Beurteilung der Lehrkräfte, wobei sich etwa die Hälfte der Schulleitungen bei der Schulverwaltung einvernehmlich absichern will.

 

Wenzels Fazit ist eindeutig: „Die große Mehrheit der Schulleitungen in Bayern ist bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen für die pädagogische Gestaltung der Schule, für Personalführung und -entwicklung sowie für die Kooperation mit Partnern und anderen Beteiligten. Sie fordern dafür aber mehr pädagogisches fachpersonal, mehr Entlastung bei der Abwicklung der Verwaltung und insgesamt mehr Zeit für Planung, Organisation, Gestaltung und Verwaltung von Schule. Das ist ein klarer Auftrag an die Politik. Der BLLV erwartet nun rasche Umsetzung und keine zusätzliche Verwirrung durch angekündigte und dann wieder dementierte Sparbeschlüsse“  

 

Die vollständige Studie ist auf der BLLV-Homepage unter folgendem Link zu finden:

www.bllv.de/Schulleitung-GS-HS.1718.0.html

 

 

 

www.bllv.de

 


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