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Grundschulen bekommen zu wenig Unterstützung
Bislang veröffentlichte Ergebnisse der IGLU- Studie 2006 sind für den BLLV keine Überraschung / „Gute Erfolge werden aber als selbstverständlich angesehen“
München - Die regelmäßig von Bildungsforschern attestierten Erfolge der pädagogischen Arbeit an den Grundschulen werfen erneut die Frage auf, warum damit nach nur vier Jahren Schluss ist. Für den Präsidenten des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, sind die bislang veröffentlichten insgesamt positiven Ergebnisse der Sonderauswertungen der IGLU- Studie 2006 keine Überraschung: „Wir wissen, dass an den Grundschulen hervorragende Arbeit geleistet wird. Umso verwunderlicher ist es, dass gerade die erfolgreichste Schulart die kürzeste ist.“ Der Politik warf er vor, „sich den Erfolg der Grundschule an die eigene Fahne zu heften und diese Schulart ansonsten zu vernachlässigen.“ So würden die Lehrerinnen und Lehrer dort am schlechtesten bezahlt, sie unterrichteten in teilweise zu großen Klassen und könnten nachweisen, dass es nach wie vor zu wenig Personal für die individuelle Förderung von Kindern gibt.
Die Behauptung, dass es keinen Zusammenhang zwischen Klassengröße und Bildungserfolg gibt, wies Wenzel zurück: „Es wird bei dieser Argumentation gerne übersehen, dass sich die Unterrichtsmethoden verändert haben. Es liegt auf der Hand, dass in Klassen mit etwa 15 Kindern individuelle Lernformen anders greifen können als in großen Klassen, das gleiche gilt z. B. auch für Projektarbeit und für alle Formen handlungsorientierten Lernens.“ Die Klassengröße sei so gesehen also durchaus entscheidend für den individuellen Lernerfolg.
„Ich habe auch den Eindruck, dass der abermals von Wissenschaftlern festgestellte Zusammenhang zwischen sozialem Status und Bildungserfolg von der Politik lediglich zur Kenntnis genommen wird. Schul- und bildungspolitische Konsequenzen werden aus dieser beklemmenden Wahrheit aber immer noch nicht gezogen. Im Gegenteil: der private Bildungssektor hört nicht auf zu boomen.“
Die Grundschulen stehen für Methodenvielfalt, integratives Arbeiten und Lernen mit unterschiedlich begabten Schülern. „Sie sind die fortschrittlichsten Schulen, die wir haben“, erklärte Wenzel. Innovationen im Bildungswesen sind am häufigsten in den Grundschulen zu verorten. Dennoch stehen sie unter dem Diktat der frühen Auslese, was die Arbeit grundsätzlich erschwert. Wenzel: „Bei allem berechtigtem Lob müssen wir auch sehen, dass gerade an Grundschulen - gegen die Überzeugung der dort unterrichtenden Lehrerschaft - Kinder sehr früh Erfahrungen des Scheiterns machen müssen. Sie sind wegen des Übertrittsdrucks nach den vierten Klassen immensen Erwartungen ausgesetzt. Viele werden damit und den daraus resultierenden Folgen nicht fertig.“ Auch werde in Grundschulen am wenigsten investiert.
Mit Verwunderung nimmt Wenzel den heute von IGLU- Koordinator Wilfried Bos formulierten Vorwurf zur Kenntnis, dass „jede dritte Grundschulempfehlung über die weitere Schullaufbahn nach Klasse vier nicht optimal ist“. Diese Kritik an den Lehrerinnen und Lehrern der Grundschule belege den dringenden Reformbedarf beim Übertritt. Wörtlich meint der BLLV-Präsident: „Es gibt auf der ganzen Welt kein Instrumentarium, dass eine zuverlässige Prognose für Zehnjährige ermöglicht. Das hat damit zu tun, dass die Entwicklung der jungen Menschen in dieser Altersphase noch lange nicht abgeschlossen ist. Wenn wir aktuellen Befunden der Hirnforschung folgen, macht eine Verteilung auf parallele Schularten vor Abschluss der Pubertät keinen Sinn.“
www.bllv.de

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