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Elementarbereich

 

Resolution VBE Bundeshauptvorstandes vom 16. November 2002

 

„Elementarbereich stärken - Bildung von Anfang an“

 

Die Ergebnisse internationaler Vergleichsstudien haben in Deutschland Fragen nach Bildung und Ausbildung, nach Erziehung und Betreuung wieder stärker ins Blickfeld gerückt. Insbesondere PISA hat uns gezeigt, dass wir den Elementarbereich sträflich vernachlässigt haben. Zu sehr wurde in der Vergangenheit der quantitative Ausbau und seine Finanzierbarkeit als vorrangig angesehen. Das Thema Qualität kam vielfach zu kurz. Länder mit guten Ergebnissen bei PISA sehen den Elementarbereich klar als vorschulische Bildungseinrichtung.

 

Der Bereich der Elementarbildung war in der Vergangenheit fast völlig ausgeklammert. Und trotz des inzwischen im Gesetz verankerten Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz und trotz des klar formulierten Auftrags, Betreuung, Bildung und Erziehung gleichrangig zu sehen (§ 22 KJHG), verkürzte sich im Elementarbereich die Diskussion auf den Aspekt der Betreuung.

 

Dabei ist inzwischen unbestritten, dass

• das menschliche Gehirn bis zum 5. Lebensjahr ca. 80% seiner Größe und seiner Grundstrukturen ausgebildet hat und

• die ersten 8 Lebensjahre lern- und entwicklungspsychologisch entscheidend für die Förderung von Kreativität und Intelligenz sind.

• Die moderne Säuglingsforschung belegt, dass Kindern von Geburt an Neugier und Interesse mitgegeben ist. Dies zu unterstützen, herauszufordern und weiter zu entwickeln, ist Aufgabe des Elementarbereiches.

 

Die Arbeit in der Kindertagesstätte steht unter dem Primärziel ‚Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit’ (§ 1 KJHG). Alle im folgenden aufgeführten Einzelziele des Bildungs- und Erziehungsbereichs werden darunter subsumiert:

- Vermittlung von Werten

- Sozialkompetenz und altersspezifische Mitverantwortung

- Förderung des phonologischen Bewusstseins und der sprachlichen Kompetenz

- Entwicklung des Denkens und der Kreativität

- Schulung der Sinne

- Erwerb von Handlungskompetenz

- Gesundheitserziehung

- Entwicklung eines Selbstkonzeptes für zukünftiges Lernen

 

Sprachkompetenz ist eine der Grundlagen für Lesekompetenz.

 

Das Erlernen einer Sprache ist ein vielschichtiger Prozess. Er gelingt nur, wenn Kinder kompetente Erwachsene als Partner haben, an deren Sprachverhalten und an deren Sprache sie sich orientieren und mit denen sie kommunizieren können. Ebenso brauchen sie die Gemeinschaft anderer Kinder, um ihre Sprachkenntnisse zu festigen. Dies gilt in besonderem Masse für den Erwerb einer Zweitsprache. Je jünger Kinder sind, umso leichter lernen sie eine Sprache. Im Rahmen der Sprachförderung erfolgt durch Erzählen, Vorlesen, Bilderbuchbetrachtungen eine gezielte Hinführung zum Buch und die Neugierde auf das Lesen wird geweckt.

 

Bereits seit längerem weist der VBE darauf hin, dass dem Elementarbereich ein hoher gesellschaftlicher und bildungspolitischer Wert zukommt. Als Eingangsstufe in das institutionelle Bildungssystem hat der Elementarbereich die Aufgabe, Chancengerechtigkeit für alle Kinder von Anfang an zu sichern und Grundlagen für Bildung zu legen. Der VBE fordert:

 

1. Das Qualitätsniveau des Elementarbereiches muss angehoben werden. Dazu gehört die Professionalisierung der pädagogischen Fachkräfte. Die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher muss diagnostische Verfahren für Sprachentwicklung und -förderung sowie multikulturelle Erziehung vermitteln. Erzieherinnen und Erzieher müssen eine bedarfsgerechte Fort- und Weiterbildung angeboten bekommen.

2. Die formalen Rahmenbedingungen müssen insgesamt verbessert werden. Für Kindergärten dürfen keine Gebühren erhoben werden. Zu den kurzfristig notwenigen Verbesserungen gehören:

- eine Absenkung der Erzieher-Kind-Relation (durchschnittlich 1:7 nach Qualitätsdimensionen des Europäischen Netzwerkes Kinderbetreuung)

- der Einsatz von zwei Fachkräften pro Gruppe

- Aufteilung der wöchentlichen Arbeitszeit des pädagogischen Personals in zwei Drittel, die mit Kindern verbracht werden, und ein Drittel für Vor- und Nachbereitung, Zusammenarbeit mit Eltern und Schule, Träger, etc..

3. Die Ausbildung muss reformiert werden. Der Aspekt des Bildungsauftrages muss zum festen Bestandteil des Berufsbildes werden. Erzieherinnen und Erzieher müssen an einer Fachhochschule ausgebildet werden. Bislang haben Deutschland und Österreich im Vergleich mit anderen europäischen Ländern die formal niedrigsten Eingangsvoraussetzungen. Ihrer Mobilität stehen deshalb in Europa vielfach unüberwindliche Hürden entgegen.

 

Kindergärten und Kindertagesstätten müssen zu Bildungseinrichtungen für alle Kinder ab dem 3. Lebensjahr werden. Die Einrichtungen des Elementarbereichs sind und bleiben familienergänzende Einrichtungen. Qualitativ hochwertige vorschulische Bildungseinrichtungen sind mehr denn je eine Verpflichtung der Gesellschaft. Der Aspekt der Bildung muss stärkere Berücksichtigung finden. Kinder haben ein Recht auf intensive, frühe Förderung.

 


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