Schulsozialarbeit 
Resolution des VBE Bundesvorstandes vom 17. Mai 2003
„VBE fordert mehr Schulsozialarbeit für Schülerinnen und Schüler mit Problemen“
Schulmüdigkeit und Schulverweigerung als gewachsene Probleme
Fünf bis zehn Prozent aller deutschen Schülerinnen und Schüler müssen als aktive Schulschwänzer gelten. Eine noch größere Zahl hat sich innerlich verabschiedet. Das stellte das Deutsche Jugendinstitut in München im Oktober letzten Jahres in einer bundesweiten Studie fest. Die schwierigste Phase ist für viele Schülerinnen und Schüler der Übergang von der Grundschule in eine weiterführende Schule. Die Betroffenen werden zudem immer jünger. Waren es vor einigen Jahren vorwiegend 15- und 16-jährige, sind es heute Zehn- und Elfjährige. Nach Schätzungen von Kommunen und Ländern gibt es in Deutschland zwischen 80.000 und 400.000 Schulverweigerer. Die Bertelsmann-Stiftung geht von bis zu 500.000 ‚Schulmüden’ aus. Die daraus resultierende sozialpolitische Sprengkraft ist von der Bildungspolitik in Deutschland bislang nicht ausreichend zur Kenntnis genommen worden.
Ungleiche Belastungen für Unterricht und Erziehung
In den Schulen sozialer Brennpunkte, insbesondere in den Pflichtschulen, ist der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Problemen in den vergangenen Jahren außerordentlich gewachsen. Da aus diesen Pflichtschulen nicht verwiesen werden kann, sammeln sich diese Schülerinnen und Schüler hier in besonderem Maße. Diese Schulen werden damit zu gesellschaftlich stigmatisierten Restschulen. Schon jetzt ist in diesen Pflichtschulen die Zahl der Schülerinnen und Schüler stark angestiegen, die nur schwer zu beschulen sind oder sich sogar dem Angebot der Schulen schlichtweg verweigern. Die Ursachen liegen immer öfter in den Familien. Lehrerinnen und Lehrer können aber keine Familienhilfe übernehmen. Mehr Schulsozialarbeit böte hier eine realistische Chance, die Probleme in diesen Schulen offensiv anzugehen.
Stärkung der Zukunftsperspektive
Die Schule hat die immer schwieriger werdende Aufgabe, die Gesamtpersönlichkeit der Schülerinnen und Schüler gegen gesellschaftliche Negativ-Einflüsse zu festigen. Wenn die Persönlichkeit gerade von gefährdeten Jugendlichen stabilisiert werden soll, muss die Zukunftsperspektive als klares Ziel in den Vordergrund treten. Zugänge, die Kolleginnen und Kollegen der Schulsozialarbeit zu schwierigen Schülerinnen und Schülern haben, müssen hierfür sinnvoll genutzt werden. Denn Schulsozialarbeit kann gesellschaftliche und schulische Integration schaffen. Sie kann helfen, Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule einzugliedern. Das Wichtigste ist, ein Abgleiten in Kriminalität zu verhindern und allen Schülerinnen und Schülern zu einem Abschluss zu verhelfen.
Schlussfolgerungen
Schulen müssen in den Stand gesetzt werden, ihren Schülerinnen und Schülern ein positives soziales Klima zu bieten. Schulen sind vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Wandlungsprozesse mehr denn je aufgerufen, sozialpädagogische Fragen ernst zu nehmen.
Der VBE erwartet im Interesse der Jugendlichen und der Gesellschaft politische Initiativen. Die Bildungspolitik ist jetzt endlich gefragt. Nur durch rechtzeitiges und entschiedenes Eingreifen können Schulmüdigkeit und Schulverweigerung als gesellschaftliche Sprengsätze entschärft werden.
Schulen brauchen ein System von Maßnahmen, das problemadäquat zum Einsatz kommt. Schülerinnen und Schüler mit Problemen benötigen Lerngruppen, in denen besondere organisatorische, pädagogische und didaktische Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Hierfür müssen Schulen entsprechend ausgestattet werden.
Schulen dürfen mit ihren Problemen nicht auf sich allein gestellt bleiben. Einrichtungen der Jugendhilfe, der medizinischen und der psychologischen Versorgung, der Polizei und der Kirchen müssen mit den Eltern und der Schule in einem Netzwerk zusammenarbeiten. In diesem Zusammenhang sollte Schulsozialarbeit einen festen Platz an Schulen mit vielen schwierigen Schülerinnen und Schülern erhalten.
VBE-Forderungen
• Der VBE fordert für die Schulen, die überproportional mit dem Problem schwieriger Schülerinnen und Schüler konfrontiert werden, zusätzliche Lehrerstellen und den Einsatz von Schulsozialarbeitern.
• Der VBE fordert eine tragfähige Definition der jeweiligen Arbeitsbereiche. Schulsozialarbeit muss als eigenständiges Berufsfeld anerkannt und beschrieben werden. Die Aufgabe von Schulsozialarbeit kann es nicht sein, Unterricht zu übernehmen. Die Aufgabe von Lehrerinnen und Lehrern kann es nicht sein, neben dem Unterricht sozialpädagogische Lebenshilfe zu leisten und permanent Kontakt mit Polizei, Jugendhilfe, Gerichten und Kirche halten zu müssen. Die Zusammenarbeit funktioniert nur, wenn jeder weiß, wo sein Schwerpunkt ist.
• Der VBE fordert von den Hochschulen, innerhalb des Studiums Sozialpädagogik den Schwerpunkt Schulsozialarbeit einzurichten.
• Der VBE fordert die Landesregierungen auf, jetzt schnell Planstellen für Schulsozialarbeiter zu schaffen. Der Einsatz von Schulsozialarbeit darf nicht erst nach einem bürokratischen Papierkrieg Wirklichkeit werden. Nur Probleme, die schnell angegangen werden, wachsen nicht ins Uferlose.

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